Artikel Kommentare

Bernhard Bircher-Suits » K-Geld » Online-Börsenhandel: Grossbanken verlangen am meisten

Online-Börsenhandel: Grossbanken verlangen am meisten

Teure Grossbanken

K-Geld hat die Preise für den Internethandel von Aktien, Obligationen, Anlagefonds und börsengehandelten Indexfonds (ETF) bei zehn namhaften Banken verglichen. Ergebnis: Günstig sind Strateo, Swissquote und Saxo. Die Credit Suisse und die UBS sind massiv teurer.

Die Kostenunterschiede beim Wertschriftenhandel per Internet sind beträchtlich. Das zeigt der Vergleich von K-Geld. Beispiel: Ein Privatanleger, der pro Jahr eine Schweizer Obligation und zehn Schweizer Aktien kauft und verkauft, zahlt bei der Credit Suisse (CS) insgesamt 1990 Franken Depot- und Transaktionsgebühren (siehe Tabelle «Einzeltitel-Käufer» unten). Zum Vergleich: Auf dem Internetfinanzportal des VZ Vermögenszentrums kostet dasselbe mit 264 Franken rund 1700 Franken weniger. Die CS erklärt die ­hohen Kosten mit einer «indivi­duellen Vermögens- und Anlage­beratung» und einem «breiten ­Online-Banking-Angebot».

Auf Platz zwei in der Kategorie «Einzeltitel-Käufer» liegt Strateo mit Gesamtkosten von 296 Franken. Die von Keytrade in Strateo umbenannte Bank fiel schon in ­einem früheren Kostenvergleich mit tiefen Gebühren auf (siehe K-Geld 6/10). Sie gehört zur französischen Crédit-Agricole-Gruppe. Die UBS ist mit 1250 Franken hinter der CS der zweitteuerste Online-Börsenhändler.

 ETF-Händler: Günstige Preise bei Swissquote und grosse Auswahl

Auch ETF-Käufer können mit der Wahl des Internet-Börsenhändlers viel Geld sparen. Sie fahren insbesondere bei Anbietern ohne Filialnetz besonders günstig. So zahlt der Anleger bei Strateo gerade mal 122 Franken Transaktions- und Depotgebühren (siehe Tabelle «ETF-Käufer» unten). Doch der tiefe Preis von 9 Franken pro Transak­tion ist mit Vorsicht zu geniessen. Er gilt nur für die rund 80 ETF-Leader des Strateo-Partners Comstage – ein Angebot der deutschen Commerzbank. Weitere Haken: Die 9 Franken gelten nur für ETFs in Schweizer Franken sowie für den Handel über die Schweizer Börse und Aufträge zwischen 500 und 250 000 Franken. Wer keine ETF-Leader will, zahlt für einen ETF-Kauf über die Schweizer Börse im Wert von beispielsweise 3000 Franken rund 25 Franken Gebühr. Günstig ist auch Swissquote. Hier zahlt der ETF-Käufer für Transaktionen und Depot 144 Franken. Zum Vergleich: Bei der CS sind es 1416 Franken – rund 1270 Franken mehr. Der Preis von 9 Franken – bzw. 9 Euro/Dollar für ETF in Fremdwährung – gilt auch bei Swissquote nur für eine Auswahl an Fonds von Partnerfirmen und für Produkte, die an der Schweizer Börse gehandelt werden. Doch diese Auswahl umfasst bei Swissquote dank insgesamt neun Partnern mehrere hundert Fonds – deutlich mehr als bei Strateo. Auf dem dritten Platz liegt die Saxo-Bank mit Gesamtkosten von 156 Fanken. Sie erscheint im K-Geld-Vergleich nur in der Kategorie ETF. Der Grund: Obligationen lassen sich bei der Saxo-Bank erst ab 50 000 Euro handeln, und aktiv verwaltete Fonds bietet die Online-Bank nicht an.

Das VZ Finanzportal wählt aus den über 900 an der Schweizer Börse gehandelten ETFs die ihrer Ansicht nach rund 50 besten Titel aus und bietet sie den Anlegern zur Investition an. Die kleine Auswahl beim VZ ist für viele Börsenlaien aber kein Nachteil. K-Geld zeigte (1/2012) ausserdem: Börsenkotierte Indexfonds erzielen – unter anderem wegen der tieferen Gebühren – eine höhere Rendite als die meisten aktiv verwalteten Fonds mit teurem Management. Eindrücklich sind auch die Preisdifferenzen beim Beispiel eines Käufers von aktiv verwalteten Anlagefonds (siehe Tabelle «Fonds-Käufer» auf der nächsten Seite). Die Annahme von K-Geld: Er tätigt fast ausschliesslich Handel mit hauseigenen Fonds oder Fonds von Vertriebspartnern seiner Hausbank. Das Ergebnis: Am günstigsten fährt dieser Käufertyp bei Swissquote. Die Gesamtkosten für sechs Fonds-Transaktionen im Jahr und die Depotführung betragen 144 Franken. Strateo liegt mit 146 Franken auf Augenhöhe mit Swissquote.

Wer hingegen aktive Fonds beim VZ Finanzportal handelt, wird mit insgesamt 1708 Franken Depot- und Transaktionskosten zur Kasse gebeten – rund 1560 Franken mehr als bei Swissquote. Damit ist das VZ im Handel mit aktiv verwalteten Anlagefonds der teuerste Anbieter – noch teurer als die Grossbanken UBS und CS. Marc Weber vom VZ Vermögenszentrum sagt dazu: «Das VZ hat keine hauseigenen Finanzprodukte. Einem Anleger, der selbständig per Internet in aktive Fonds investieren will, empfehlen wir die Anlage in ETF – zum Fixpreis von 39 Franken pro Online-Transak­tion.»

Im Vergleich der Banken mit breitem Filialnetz fällt die Migros-Bank mit 203 Franken Spesen für Anlagefonds positiv auf. Sie punktet mit ihrem Pauschalpreis von 40 Franken pro Transaktion bis 100 000 Franken – besonders im Vergleich zu den deutlich teureren Filialbanken Credit Suisse, UBS, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank und Postfinance. So kostet auch ein etwas grösserer Fondskauf im Wert von 10 000 Franken nur 40 Franken und nicht wie bei der UBS 180 Franken.

Gebührenexperten ­interpretierten eigene Preislisten falsch

Kommt hinzu: Das Gebührenreglement der Migros-Bank findet Platz auf einer halben A4-Seite. Und die Kosten sind auch ohne ­Taschenrechner einfach nachvollziehbar. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Der K-Geld-Vergleich zeigte nämlich: Mehrere Gebührenexperten von namhaften Banken stellten falsche Berechnungen an. Der Grund: Sie haben die vielen verschiedenen Gebührenarten, Fussnoten und Ausnahmeregelungen in den mehrseitigen und unübersichtlichen Preislisten ihres eigenen Arbeitgebers falsch interpretiert.

Wer privat per Internet an der Börse handelt, sollte generell folgende Punkte beachten:

– Reine Internetplattformen wie Swissquote, Strateo oder Saxo-Bank bieten in der Regel keine persönliche Beratung zu Anlagefragen an. Bei Fragen zum Angebot und zur Plattformbenutzung kann man sich aber zumindest an eine Telefon-Hotline wenden.

– Ein Anleger sollte sein Anlagerisiko über mehrere Anlageklassen verteilen. Die unterhalb der ­Tabellen aufgeführten Depots der drei verschiedenen Musteranleger sind keine Anlageempfehlung von K-Geld. Damit soll lediglich aufgezeigt werden, welche Art von An­lageklassen welche Depotkosten verursachen.

– Bankberater schwatzen ihren Kunden häufig hauseigene Fonds auf. Dank tiefen oder ganz weg­fallenden Kaufgebühren (den sogenannten «Ausgabekommissionen») erscheint ihr Kauf vorteilhaft. Doch entscheidend bei der Auswahl sind nicht vermeintlich attraktive Ra­batte, sondern vielmehr die langjährige Fondsrendite und die jährlich anfallenden Fonds-Gesamt­kosten. Oft sind die empfohlenen Hausprodukte keine Überflieger.

– Wer sein Geld an der Börse in Fonds oder Einzeltitel investiert, sollte eine langjährige Anlagestrategie verfolgen und bei kleineren Vermögen vor allem auf günstige ETFs setzen.
– Ein allzu häufiges Umschichten des Wertschriftendepots zahlt sich zudem meist nur für die Bank aus, nicht für den Anleger.

Annahmen: So verglich K-Geld die Kosten

Alle Transaktionen – ohne die aktiv verwalteten Fonds – laufen wenn möglich über die Schweizer Börse in Schweizer Franken. Auf jeden Verkauf erfolgt am selben Tag ein Kauf über dieselbe Summe – so bleibt der Wertschriftenbestand über die gesamte Periode unverändert. Die Kauf- bzw. Verkaufskommissionen (Courtagen) werden unter Transaktionskosten zusammengefasst. Stempelgebühr und allfällige Börsenabgaben werden darin nicht berücksichtigt, da sie für alle gleich sind.

Fondskäufer

ETF-Käufer

Einzeltitel-Käufer

 

 

 

 

 

Artikel als PDF

 

 

Print Friendly

Veröffentlicht unter: K-Geld

Schreibe einen Kommentar