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Rentnerin sitzt auf Schrott-Obligation

Citronholding

Eine betagte Kundin der Raiffeisenbank Reinach BL suchte eine sichere Geldanlage. Doch der Anlageberater empfahl ihr eine riskante Obligation einer Recycling-Firma.

Terese Büscher (82, Name geändert) aus Reinach BL fragte Ende 2004 bei ihrem Anlageberater der Raiffeisenbank nach einer Geldanlage mit «hoher Sicherheit». Er unterbreitete ihr unter anderem die Unternehmensobligationen der Citron Holding AG in Seengen AG. Herausgegeben hat die Obligation ein Kooperationspartner von Raiffeisen – die Bank Vontobel. Das Wertpapier versprach bis 2010 einen Jahreszins von 4 Prozent. Ein scheinbar gutes Angebot – denn die Zinssätze für Sparkonten lagen damals je nach Bank bei 0,125 bis 0,375 Prozent. Die pensionierte Sekretärin investierte 20 000 Franken.

Doch Citron wuchsen die Schulden über den Kopf. Mitte April 2011 ging das Unternehmen Konkurs. Nach Einschätzung der Bank Vontobel muss Büscher mit einem Totalverlust rechnen. Sie beschwerte sich bei Raiffeisen über die Falschberatung. Doch Raiffeisen Schweiz gibt den schwarzen Peter an die Bank Vontobel weiter. Sprecher Franz Würth sagt: «Die Obligationenliste wurde damals von der Bank Vontobel für uns erstellt. Es wurde auf der Liste immer erwähnt, dass dies keine Empfehlungsliste, sondern eine Auswahlliste mit klaren Hinweisen auf die Risikograde ist.» Vontobel-Pressesprecher Reto Giudicetti spielt den schwarzen Peter zurück: «Die Bank Vontobel stufte die Obligation zum Zeitpunkt der Herausgabe mit dem Rating ‹BBB› ein – eine Stufe oberhalb des spekulativen Bereichs.» Institutionelle Investoren seien somit über das Risikoprofil im Bild gewesen.

Doch die Rentnerin war keine institutionelle Investorin. Sie sagt: «Die Geldanlage schien mir vor allem ökologisch interessant.» Denn Citron betrieb in Frankreich eine Recycling-Anlage für Sonderabfälle. Vom hohen Risiko dieser Unternehmensobligation sei nie die Rede gewesen. Würth sagt dazu nur: «Die Raiffeisenbank Reinach hat den erwähnten Titel nie empfohlen.» Für ein gerichtliches Vorgehen gegen die Raiffeisenbank fehlt Büscher ein wichtiges Dokument: das Beratungsprotokoll. Sie hat ihre Lehren aus dem Fall gezogen. «Ich verlange seither stets ein Beratungsprotokoll und schriftliche Angaben über die Sicherheit der empfohlenen Finanzprodukte.»

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Veröffentlicht unter: K-Geld

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