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Baden und Entspannen am estländischen Tränenmeer

In Otepää kommen Kinder voll auf ihre Kosten.

Der baltische Tigerstaat Estland ist ein Vorbild in Sachen Wirtschaftsreformen und naturnaher Tourismus. Neben der Hauptstadt Tallinn begeistert auch das weniger bekannte Otepää.

«Schweiz: 128 Punkte» lautete am 21. Mai 2005 am Eurovision Song Contest in Kiew das Schlussverdikt für die estnische GesangstruppeVanilla Ninja. Spätestens seit die Girl-Band mit der Single «Cool Vibes» für die Schweiz punktete und den respektablen achten Platz belegte, kennt jeder Schweizer Musikfan Estland als singfreudige und gesangsstarke Nation. Bereits 1991 bewiesen die Esten lautstark ihre Gesangskünste und konnten in Moskau punkten: Damals erlangte Estland im Zuge der «singenden Revolution» seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion wieder. Die tief im Volk verankerte Gesangskultur begleitet Estland-Besucher denn auch heute auf Schritt und Tritt: Estland ist das Land der Chöre, Orgeln und Musikfestivals. Mittlerweile gibt das EU- und Nato-Mitglied aber auch wirtschaftlich den Ton an und beeindruckt im Jahresturnus mit klangvollen Wirtschaftsdaten: Der Kleinstaat mit rund 1,3 Millionen Einwohner war 2006 mit rund elf Prozent Wachstum der Spitzenreiter der EU – 2005 wurde sogar der Weltwirtschaftsmotor China übertroffen.

Breites Angebot ohne fünf Sterne
Die blühende Wirtschaft macht sich bei Estland-Reisenden in einer ausgebauten Tourismus-Infrastruktur positiv bemerkbar: Auch in weit von der Hauptstadt Tallinn entfernten Orten, wie zum Beispiel in der verträumten Hansestadt Viljandi, finden Besucher ein Informationsbüro, Gasthäuser und einfache Hotels. Lediglich wer in Estland 5-Sterne-Luxus sucht, wird eher spärlich bedient. Das Land am finnischen Meerbusen ist umgeben von 1520 Inseln und empfiehlt sich daher eher für Segler, Fischer und generell für Natur- und Erholungssuchende. Trotz dem Luxus-Hotellerie-Handicap: Golfplätze sind in den letzten Jahren in Estland wie Pilze aus dem Boden geschossen. Nach den Finnen, Schweden und Deutschen haben auch Schweizer Touristen den Kleinstaat mit der weitgehend unberührten Natur entdeckt. Besuchten 1995 rund 3300 Personen mit rotem Pass das Land, waren es 2005 schon rund 10 700 Schweizer. Ein älteres Schweizer Ehepaar bringt einen der vielen Vorteile einer Estland-Reise im Hotel «Schlössle» in Tallinn auf den Punkt: «Die Servicequalität ist in teuren Hotels hoch. Die Preise für Angebote wie Golf, Wellness und Ähnliches sind vergleichsweise tief, und die Natur präsentiert sich an vielen Orten noch weitgehend unberührt.» Ein Grossteil der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Tallinn im Norden des Landes. Den weitgehend unberührten Rest des Landes teilt sich der spärliche Rest der Bevölkerung mit wilden Tieren wie Wölfen, Bären, Elchen und Luchsen. Im Vergleich mit anderen mediävalen
Städten bietet Tallinn eine ebenso attraktive, wenn auch kleine Altstadt. Die Hauptstadt blickt auf eine lange Tradition zurück: Dänen, Deutsche, die Hanse, Schweden, das Zarenregime und zuletzt die Sowjets haben ihre Spuren in der Architektur und den Geschichts- und Kochbüchern hinterlassen. Der historische Kern der Hauptstadt ist im Wesentlichen noch so erhalten, wie er einst im 13. und 14. Jahrhundert erbaut wurde;Tallinn gilt als die am besten erhaltene Hansestadt an der Ostsee. Sie wurde 1997 auf die Unesco-Liste des Weltkulturerbes gesetzt. «Estland hat aber viel mehr zu bieten als nur Tallinn», sagt Anu Metsa, eine estnische Reiseleiterin mit profunden Landeskenntnissen. Ein längererAufenthalt in der Region Otepää bestätigt dies.

Ob Winter oder Sommer
In Südostestland erwartet den Naturfreundin der Tat ein Paradies. Die bei den Esten beliebteste Feriendestination mit dem kurios klingenden Namen Otepää ist nicht nur imWinter beliebt, sondern bietet auch im Sommer ideale Voraussetzungen für Bade- und Aktivferien. Lediglich eine alles überragende Mobilfunkantenne über dem Pühajärve, dem Heiligen See, trübt die Ferienidylle – Handys sind den technikbegeisterten Esten meist näher als verklärte Naturromantik. Am feinen Sandstrand des Heiligen
Sees findet man unweit vom stilgerecht renovierten «SPA Hotel» ideale Voraussetzungen für Erholung pur. Der See mit seinen fünf kleinen Inseln ist einer der schönsten Seen in Estland. Der Strand des Binnengewässers darf in der Badesaison denn auch die für höchste Sauberkeit stehende blaue Fahne hissen – ein Kontrollblick bis zum Seeboden hinunter bezeugt die Wasserqualität eindrücklich. Die Sage erzählt, dass der Heilige See aus den Tränen einer Mutter entstanden ist, die um ihre im Krieg gefallenen Söhne trauerte. Die Inseln seien die Gräber der Söhne. Nach einem Bad im «Tränenmeer» kann man 13 Kilometer rund um den See herum wandern, skaten oder Fahrrad fahren. Zudem findet sich entlang des Sees ein 1,5 Kilometer langer Naturlehrpfad. Der Heilige See wurde 1991 vom Dalai-Lama, dem geistlichen und weltlichen Oberhaupt der Tibeter, während eines Estland-Besuches gesegnet. Das Dalai-Lama-Center zeugt noch heute vom Besuch.

Auch der Winter lockt
Im Winter ist das nahe Städtchen Otepää eine weltweit bekannte Sportstätte für Biathlon – aber auch Eislaufen ist auf den meist tief zugefrorenen Seen in der Region möglich. Die Gegend um Otepää ist nicht nur landschaftlich eines der hübschesten Gebiete
des Landes mit seinen Wäldern und Seen, sondern auch das hügeligste. Die vielen örtlichen Wanderwege in Otepää sind vorbildlich mit Wegweisern gekennzeichnet. «In Otepää gibt es zwei Hochsaisons: den Sommer und den Winter», antwortet die Hotelmanagerin Kirstin Kass auf die Frage nach dem «richtigen» Besuchszeitraum. Dank der klimatischen Bedingungen gibt es in Otepää bessere Schneeverhältnisse, die auch länger dauern als anderswo in Estland. Otepää trägt daher zu Recht den Titel
«Winterhauptstadt». Im Sommer verdient die Region den Titel «Naturzentrum».

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