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«Gold bleibt» – der Preis nicht!

Goldhändler Degussa wirbt für den Kauf von Gold und Silber in Barrenform. Eine Stichprobe von K-Geld zeigt: Andernorts gibt es das Edelmetall günstiger.

Das deutsche Goldhandels-Unternehmen Degussa wirbt zurzeit mit edel aufgemachten Werbebeilagen in vielen Schweizer Zeitungen. Darin empfiehlt Degussa Anlegern den Kauf von Barren und Münzen aus Silber und Gold. Die Edelmetalle können Kunden im Internet bestellen und per Kurier liefern lassen. Man kann sie jedoch auch in der Zürcher Niederlassung abholen. Das vertrauenerweckende Motto von Degussa: «Gold bleibt». Doch sind die Preise von Degussa attraktiv? Um das festzustellen, hat K-Geld die Preise von Degussa Mitte September telefonisch und per Internet mit Angeboten von Banken und anderen Goldhändlern verglichen (siehe Tabelle). Die Stichprobe zeigt: Eine Feinunze Gold kostete bei Degussa am Stichtag bei Abholung 1659 Franken. Kunden der Zürcher Kantonalbank (ZKB) und der UBS zahlten etwas weniger: 1637 bzw. 1642 Franken. Die ZKB liefert Privatkunden aber keine Barren nach Hause. Bei der UBS hingegen – laut eigenen Angaben der grösste Goldhändler der Schweiz – ist eine Lieferung im Preis in begriffen. Das gilt auch für Nicht-UBSKunden. Bei einem Wert ab 25 000 Franken rät die Bank jedoch von einer Heimlieferung ab – aus Sicherheitsgründen. Bei Degussa kommen zum Abholpreis 25 Franken für den Kurier versand hinzu. Auch bei einem 1 Kilo schweren Silberbarren fahren Kunden bei ZKB und UBS günstiger. Statt der 1143 Franken bei Degussa zahlen sie 1116 bzw. 1137 Franken. Im Vergleich fiel die Credit Suisse negativ auf: Sie war am Stichtag bei Gold- und Silber-Barren jeweils der teuerste Anbieter.

Gold und Silber: Grosse Preis-Schwankungen
Aber ist der Kauf von Edelmetallen in Barrenform für Kleinanleger überhaupt sinnvoll? Folgendes sollte man bedenken: Edelmetalle haben immense Wertschwankungen. Der tiefste Preis für eine Unze Gold (= 31,1 Gramm) lag in den letzten zehn Jahren bei rund 290 Franken, der höchste bei rund 1900 Franken. Bestehen Sie beim Kauf von Edelmetall auf einem Echtheitszertifikat. Vorsicht ist geboten bei Vorauszahlung an Internetanbieter wie E-Bay, Ricardo oder an unbekannte Gold-Händler im Ausland. Bei Edelmetallen gibt es zudem unterschiedliche Feinheiten – der Preis pro Einheit kann daher verschieden sein. Im Gegensatz zu anderen Anlagen werfen Gold und Silber keinen Ertrag in Form von Dividende oder Zins ab. Bei kleinen Goldbarren ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis zudem hoch. Bei 1-Gramm-Barren kann sie 18 Prozent betragen, bei 1-Kilo-Barren 0,7 Prozent. Die Differenz erklärt sich mit den unterschiedlich hohen Herstellungskosten für die Barren. Auch die sichere Lagerung der Edelmetalle verursacht Kosten. Damit man keine Verluste macht, muss man auf einen höheren Verkaufspreis spekulieren.

Höchstens 5 bis 10 Prozent des Vermögens in Gold oder Silber anlegen
Das Edelmetall am besten in einem Bank-Schliessfach lagern (jährliche Miete ab ca. 100 Franken). Wer Edelmetalle im Tresor zu Hause aufbewahrt, sollte zuerst bei seiner Hausratversicherung die Deckung bei Diebstahl prüfen. Grund: Wertgegenstände und Bargeld sind zu Hause gegen Einbruch nur bis maximal ein paar Tausend Franken versichert. Wer grössere Summen in Gold oder Silber anlegen will, wählt am besten einen börsengehandelten Gold oder Silber-Indexfonds (Exchange Traded Fund, ETF). Solche Produkte haben Banken wie UBS, CS, Julius Bär und ZKB im Angebot. Bei ETF ist das Edelmetall im Hintergrund ebenfalls physisch hinterlegt. Aber: Aktuell sind ETF-Goldanlagen punkto Risiko mit stark schwankenden Aktienanlagen vergleichbar.

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Veröffentlicht unter: K-Geld

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