Nebulöser Traumpreis von Swissallfinanz

Der Versicherungsvermittler Swissallfinanz lockt Kunden mit einer Reise nach San Francisco als Wettbewerbsgewinn. Dabei geht es dem Unternehmen nur um den Verkauf von Lebensversicherungen der Helvetia.

Die Swissallfinanz aus Lachen SZ geht an Messen mit Wettbewerben auf Kundenfang (K-Geld 6/2011). Als ersten Preis stellt das Unternehmen Teilnehmern eine Reise für zwei Personen nach San Francisco (USA) in Aussicht. Als Trostpreis erhält man allenfalls eine «neutrale Finanzberatung» im angeblichen Wert von 1500 Franken.

«Systematisch Helvetia-Policen verkaufen»
Von einer neutralen Beratung potenzieller Neukunden und einer Analyse der Finanzsituation seitens der Swissallfinanz kann aber keine Rede sein. Ein Ex- Mitarbeiter sagt K-Geld: «Den Wettbewerbsteilnehmern werden systematisch Helvetia-Policen als das beste Produkt für den Kunden verkauft.» Laut Registereintrag der Finanzmarktaufsicht Finma arbeitet die Swissallfinanz bei Lebensversicherungen in der Tat nur mit der Generali und der Helvetia- Versicherung zusammen. Doch die Generali sagte K-Geld, der Vermittlervertrag mit Swissallfinanz sei per Februar 2012 aufgelöst worden. Der Finma-Eintrag sei nicht mehr aktuell. Die ehemalige Swissallfinanz-Mitarbeiterin Marina B. aus Goldach SG sowie der erwähnte Ex-Mitarbeiter versichern K-Geld zudem, dass der erste Preis – die Flugreise – nie vergeben worden ist. Beide betonen: Der Wettbewerb diene nur dazu, Adressen junger Leute zu sammeln. Die Wettbewerbstalons älterer oder arbeitsloser Personen würden im Papierkorb landen. Der Grund: Vor allem Junge mit einem Job sind für Swissallfinanz besonders lukrative mögliche Neukunden. Lassen sie sich schon in jungen Jahren Vorsorgepolicen mit jahrzehntelangen Laufzeiten andrehen, schenkt das ein. Versicherer zahlen Swissallfinanz für solche Vertragsabschlüsse besonders üppige Provisionen. Kein Wunder, fühlten sich mehrere Kunden von Swissallfinanz falsch beraten. K-Geld hat im Dezember 2011 über die negativen Erfahrungen der Primarlehrerin Silvia H. aus Balgach SG und von Jonas Kempf aus Stein am Rhein SH berichtet. Sie hatten an einer Messe als Trostpreis die erwähnte Finanzberatung gewonnen. Die Berater haben dann beiden langjährige Vorsorgepolicen der Helvetia-Versicherung verkauft. Die jungen Leute kündigten jedoch unabhängig voneinander die Verträge schon im ersten Jahr. Folge: Swissallfinanz verlangte für den vorzeitigen Rücktritt mehrere tausend Franken Ausstiegskosten und drohte mit Betreibung, falls diese nicht gezahlt würden. Beide reichten Rechtsvorschlag ein. K-Geld hat bei Silvia H. und Jonas Kempf nachgefragt: Beide haben seit dem Rechtsvorschlag nichts mehr von Swissallfinanz gehört. Auch in einem weiteren K-Geld bekannten Fall kam es zu keinem Prozess.

Swissallfinanz schreibt auf ihrer Website: «Mit einer Erfahrung von über zehn Jahren im Finanzsektor garantieren wir Ihnen eine diskrete und Ihren Bedürfnissen angepasste Finanzplanung.» Gleichzeitig sucht das Unternehmen per Internet jedoch «Quereinsteiger als Finanzberater». Marina B. war eine davon. Die Dentalassistentin erfüllte die Qualifikationen für den Job bei Swissallfinanz: Sie hat eine abgeschlossene Lehre und einen einwandfreien Leumund, gesteht jedoch offen ein: «Von Finanzfragen habe ich keine Ahnung.» Sie sagt, dass die «Ausbildung» zur Finanzberaterin gerade mal drei Tage gedauert hatte. Nach der Schnellbleiche musste die 22-Jährige schon in der ersten Arbeitswoche zehn Beratungstermine mit Personen aus ihrem Bekanntenkreis vereinbaren. Dabei sei es darum gegangen, Vorsorgeversicherungen der Helvetia zu verkaufen. Nach etwas mehr als einem Monat wurde Marina B. von Swissallfinanz wegen angeblich «mangelnder Leistung» entlassen. Doppeltes Pech: Sie wurde während ihrer Anstellung selbst von Swissallfinanz beraten. Marina B. liess sich zu einer Vorsorgeversicherung in der 3. Säule überreden. Die Jahresprämie: 1800 Franken. Der Vertrag läuft sage und schreibe bis ins Jahr 2054, falls Marina B. die Police nicht vorher kündigt. Swissallfinanz dürfte für diesen Vertragsabschluss von der Helvetia eine Provision im Umfang von geschätzten 3000 Franken kassiert haben. Die Versicherung will diese Summe nicht bestätigen. K-Geld verlangte von Swissallfinanz eine Stellungnahme zu den Vorwürfen der Ex-Mitarbeiter. Die Antwort war ein Anwaltsschreiben: K-Geld solle bitte auf weitere Artikel über Swissallfinanz verzichten. Für den ersten Artikel mit laut Swissallfinanz «unwahren, irreführenden und herabsetzenden sowie ehrenrührigen Anwürfen» fordert das Unternehmen zudem eine Entschädigung von insgesamt nicht weniger als 33000 Franken. Die Stellungnahme zu den Vorwürfen der Ex-Mitarbeiter steht hingegen bis heute aus.

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