Privatkonten: Grossbanken schröpfen Kleinkunden

Ein Gebührenvergleich zeigt: Ein Kleinkunde zahlt auf seinem Privatkonto bei der günstigsten Bank 60 Franken Spesen im Jahr – bei der UBS hingegen über 220 Franken.

Wer seine Rechnungen über sein Privatkonto zahlt, legt unter dem Strich drauf. Das zeigt ein K-Geld-Vergleich von Zinserträgen und Gebühren bei neun Schweizer Finanzinstituten. Die Annahmen: Der Kleinkunde hat im Schnitt 7000 Franken auf der Bank, der vermögende Kunde 17000 Franken (siehe Tabellen). Der wohlhabendere Musterkunde nutzt sein Konto intensiver. Er macht mehr Zahlungen, bezieht häufiger Bargeld und hat mehr Daueraufträge erteilt als der Kleinkunde. Beide bewirtschaften ihr Privatkonto auf traditionelle Weise, nicht via Internet mit E-Banking.

Verlust im besten Fall: Rund 57 Franken
Der Kleinkunde kommt bei der Raiffeisenbank noch am günstigsten weg. Als Raiffeisen-Mitglied macht er nach Zins einen Verlust von «nur» Fr. 56.90 im Jahr. Bei Nichtmitgliedern sind es hingegen Fr. 92.90. Von den in der Tabelle aufgeführten Sonderkonditionen profitieren nur Besitzer eines Anteilscheins (Preis je nach Raiffeisenbank Fr. 200.– bis 500.–). Die Postfinance-Kunden haben einen minim höheren Verlust als Raiffeisen-Mitglieder: Fr. 59.50 im Jahr. Postfinance-Kunden müssen jedoch keine Anteilscheine kaufen, um von guten Konditionen zu profitieren. Dafür müssen sie ihr Privatmit einem Depositenkonto zu einem Set kombinieren. Wer nur ein Privatkonto will, zahlt – unabhängig vom Kontostand – eine Jahresgebühr von Fr. 36.–, und für jeden Zahlungsauftrag auf Papier jeweils Fr. 2.–.

Am teuersten sind für den Kleinkunden wie schon 2009 (siehe «K-Tipp» 9/09) Credit Suisse und UBS. Die Grossbanken verlangen mit Fr. 72.– beziehungsweise 84.– die höchsten Kontoführungsgebühren im Vergleich. Trotz hoher Grundgebühr langen sie bei Transaktionen nochmals zu. Die UBS weist darauf hin, dass Kleinkunden «auch ohne E-Banking von 40 Prozent günstigeren Zahlungsverkehrspreisen profitieren und Porto sparen könnten». Das funktioniere mit den UBS-Multimaten. Dort können Kunden ihre Zahlungsaufträge selber eingeben. Nicht ersparen kann sich ein Kunde aber den Gang zur Bank. Der wohlhabendere Kunde fährt bei den Grossbanken besser. Denn die UBS privilegiert Kunden mit mehr als Fr. 10 000.– Vermögen, die CS jene mit einem Kontenstand ab 15000 Franken. Allerdings schaffen es die Grossbanken trotzdem nicht aufs Podest. Am günstigsten ist Postfinance mit Fr. 30.50 Verlust. Am schlechtesten schneidet die Zürcher Kantonalbank ab. Sie verlangt rund Fr. 140.– mehr. Der Vergleich mit den Zahlen aus dem Jahr 2009 (zuunterst in den Tabellen) zeigt auch: Postfinance schaffte es schon damals beim vermögenden Musterkunden aufs Podest.

Grossbanken zahlen am wenigsten Zins
Der Zins, den die Banken auf den Privatkonten zahlen, war 2009 fast einheitlich 0,125 Prozent. Jetzt sieht das Bild noch düsterer aus. Die beiden Grossbanken zahlen im Vergleich mit 0,05 Prozent Zins pro Jahr die tiefsten Sätze. Angesichts der hohen Gebühren ist der mickrige Zins für Kontoinhaber nicht mal ein schwacher Trost. Wer die hohen Gebühren reduzieren möchte, kann bei diversen Finanzinstituten mehrere Konten im Set führen und auf Internet- Banking setzen. Fazit: Wer die Arbeit selber macht, spart – wie beim Multimaten der UBS – Gebühren.

Artikel als PDF

 

Print Friendly, PDF & Email
Bitte folge mir....
Facebook
Twitter
LinkedIn
LinkedIn
Instagram